ReGerecht: Regionale Gerechtigkeit – Integrative Entwicklung eines gerechten Interessensausgleichs zwischen Stadt, städtischem Umland und ländlichem Raum
Einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin „buchen“ um einmal alle Fragen rund um deren Forschungsthema stellen zu können – das ist beim „Book a Scientist“-Format der Leibniz-Gemeinschaft möglich. Beim letzten Termin am 08. November 2022 war auch das ReGerecht-Projekt vertreten. Meike Fienitz (ZALF) beantwortete Fragen rund um ihre Arbeit zu Landnutzungskonflikten. In insgesamt fünf Gesprächen entstanden dabei angeregte Dialoge, in denen der Umgang mit Konflikten um Landnutzung, aber auch die Vorgehensweise transdisziplinärer Foschung thematisiert wurden. Dabei waren es am Ende nicht nur die Teilnehmenden, die mit neuen Erkenntnissen rund um Landnutzungskonflikte den virtuellen Meeting-Raum verließen, auch für die Forschung ergaben sich aus den Fragen der Interessierten neue Impulse. Fazit: Hier entstand wertvoller Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – gerne mehr davon!
Zweitägige Wissenschaft-Praxis-Tagung zur Situation und Transformation ländlicher Räume
Über hundert Teilnehmende folgten am 27. und 28. Oktober 2022 der Einladung der Akademie für Ländlichen Raum Baden-Württemberg nach Baiersbronn zur Tagung „Das neue Bild vom Land“. Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und Einrichtungen diskutierten mit Vertretern aus der Praxis über die aktuelle Situation in ländlichen Räumen als auch über Transformationsnotwendigkeiten. Als Keynote eingeladen war dazu auch aus dem ReGerecht-Projekt apl. Prof. Dr.-Ing. Thomas Weith vom ZALF (Arbeitsgruppe Co-Design von Wandel und Innovation) zum Thema „Funktionen ländlicher Räume: Wie umgehen mit verschiedenen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen?“. Am ersten Abend besuchte auch der Baden-Württembergische Landwirtschaftsminister Hauk die Veranstaltung.
Der lebhafte Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zeigte zum einen die Anforderungen aus den demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen sowie dem Klimaschutz und der Klimaanpassung auf. Er eröffnete zum anderen neue Blickrichtungen zu gesellschaftlichen Innovationen und Transformationen für mehr Lebensqualität. Die alle vier Jahre stattfindende Veranstaltung leistete damit einen richtungsweisenden Beitrag für die Zukunftsdiskussionen um ländliche Räume, in Baden-Württemberg und darüber hinaus.
In bislang vier Jahren Projektlaufzeit hat sich im Forschungsprojekt ReGerecht viel getan. Einige der Ergebnisse präsentierten Mitwirkende des Projekts nun auf der Fachtagung „Gute Stadt-Land-Beziehungen: Für eine nachhaltige Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern“, die am 15. September in der HanseMesse Rostock stattfand. Organisiert war die Veranstaltung gemeinsam von den Forschungsprojekten ReGerecht, PROSPER-RO und VoCo, die alle im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme Stadt-Land-plus durchgeführt werden, sowie vom Querschnittsvorhaben der Fördermaßnahme. Ziel war, zentrale Ergebnisse der drei in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelten Projekte Entscheidungsträgern aber auch der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren. Mit über hundert Anwesenden aus Verwaltungen, Ministerien, Politik und Interessenverbänden, die von der Kommune bis zum Bund alle Ebenen repräsentierten, ist dies gut gelungen. In insgesamt zehn Fachvorträgen wurden unterschiedliche Aspekte der Stadt-Land-Zusammenarbeit beleuchtet – von der nachhaltigen Flächenbewirtschaftung über resiliente Infrastrukturen bis hin zu regionaler Wertschöpfung. So stellten für das Projekt ReGerecht apl. Prof. Dr. Thomas Weith (ZALF) und Ute Franke (Landeshauptstadt Schwerin) Konzepte für eine regionale Bodenbevorratung vor, Antje Ellen Wahls (Amt für Raumordnung West-Mecklenburg) berichtete, wie die Regionalplanung Westmecklenburg zum regionalen Interessenausgleich beiträgt und Eva Eichenauer (BTU) erläuterte Ergebnisse ihrer Arbeit zu regionaler Wertschöpfung aus Windkraftanlagen. Eine Posterausstellung, auf der unter anderem die Ergebnisse von Analysen des ReGerecht-Projekts zu Digitalisierung (Sabine Barthold, TUDD) und Landnutzungskonflikten (Meike Fienitz, ZALF) präsentiert wurden, vervollständigte die Veranstaltung. In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde der inhaltliche Austausch zwischen den Anwesenden fortgesetzt. Hier waren auch zwei der ReGerecht-Praxispartner auf dem Podium vertreten: das Amt für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg durch Amtsleiter Karl Schmude sowie die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern durch Torsten Mehlhorn, der dort die Abteilung Stadt- und Regionalentwicklung leitet. Die vielseitigen Informationen und die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen wurden von allen Beteiligten sehr positiv aufgenommen. Fazit: Es liegt vielfältiges Wissen vor, das nun (weiter) umgesetzt werden muss. Oder, in den Worten von Thomas Beil (Greifwalder Agrarinitiative): Wir müssen mit der Umsetzung nicht nur endlich in den Trab kommen, wir müssen jetzt den Warp-Antrieb, bekannt aus Raumschiff Enterprise, einschalten.
Ein Filmbeitrag über die Fachtagung kann hier abgerufen werden:
Im Rahmen des UBA-geförderten Projektes „Stadt und Land: Gleichwertige Lebensverhältnisse unter Ausgestaltung nachhaltiger Raumbeziehungen“ wurde am 7.9.2022 in Berlin in einem Expertenworkshop diskutiert, wie Landnutzung in Deutschland besser gesteuert werden kann. Eingeladen waren neben rund zwanzig weiteren Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland auch aus dem ReGerecht-Projekt apl. Prof. Dr.-Ing. Thomas Weith (ZALF, Projektkoordinator) und Prof Dr. Köck (UFZ Leipzig). Von Prof. Dr. Köck wurde das Thema „Recht und Gerechtigkeit“ in einem eigenen Vortrag dargestellt. Der Workshop zeigte, dass weiterhin vielfältige Bemühungen notwendig sind, um zu einer stärkeren Umsetzung nachhaltigkeitsorientierter Landpolitik zu kommen.
Gemeinsam mit Dr. Timmo Krüger (Bauhaus-Universität Weimar) haben Prof. Dr. Ludger Gailing und Eva Eichenauer (beide B-TU Cottbus, ReGerecht-Projekt) einen Special Issue unter dem Titel „Whose future is it anyway? Struggles for just energy futures“ herausgegeben. Im Editorial führen die Herausgeber*innen in zentrale Konzepte von Gerechtigkeit und Just Transition ein und stellen die Beiträge vor. Die acht Forschungsartikel eint eine kritische Position gegenüber modernistischen Annahmen und Top-Down-Ansätzen in der Forschung zu Energiegerechtigkeit. Dazu beziehen sich die Autor*innen auf zahlreiche empirische Beispiele und diskutieren, wie sich Konflikte um Energiezukünfte vollziehen. Die Analysen fokussieren auf mögliche Anwendungsfälle von Just Transitionkonzepten, die Rolle sozialer Bewegungen und Protestakteuren, sowie auf der Relevanz von Konflikten sowohl für Demokratietheorie, als auch demokratische Praxis.
In mehreren Podcast-Folgen des querFELDein-Podcasts werden Ergebnisse aus dem ReGerecht-Projekt vorgestellt:
Im zweiteiligen Beitrag „Wie sieht die Landwirtschaft in Brandenburg 2050 aus?“ spricht apl. Prof. Dr. Thomas Weith (ZALF) gemeinsam mit Prof. Monika Schreiner (Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau) und Prof. Johannes Isselstein (Universität Göttingen) über Lösungsansätze, um Herausforderungen wie dem Klimawandel, Ernährungssicherung, dem Verlust des Artenreichtums oder dem Bevölkerungswachstum zu begegnen.
In der Folge „Begrenzte Fläche – unbegrenzt Konflikte?“ berichtet Meike Fienitz (ZALF) aus ihrer Arbeit zu Landnutzungskonflikten und erläutert wie diese Konflikte entstehen, wie wir sie vermeiden oder lösen können und auch welche positiven Effekte sie haben können.
Bislang existiert kein Pendant zum Konzept der Smart City für ländliche Räume. Ein solches Konzept kann auf die Erkenntnisse und Erfahrungen für den urbanen Kontext zurückgreifen, muss aber die Eigenarten und Strukturen ländlicher Räume adäquat berücksichtigen. Hier setzt das in diesem Beitrag entwickelte Konzept für Smart Countryside mit seiner handlungsorientierenden Rahmensetzung an. Durch eine integrative Betrachtung aktueller Trends und Tendenzen, normativer Debatten um Gleichwertigkeit und Gerechtigkeit sowie Möglichkeiten in verschiedenen Handlungsfeldern zeigt es Entwicklungsoptionen auf, die durch Digitalisierung und ‚smarte‘ Umsetzung möglich werden. Ihre Realisierung sollte dabei stark bedürfnisorientiert erfolgen. Das Konzept konzentriert sich damit auch auf Governance-Prozesse und plädiert für Wissensmanagement und die Anwendung von Co-Design-Ansätzen. Es blickt somit auf Digitalisierungspotenziale jenseits reiner Technikfixierung. Das hier vorgestellte Konzept zur Digitalisierung kann zu einer umfassenderen Transformation ländlicher Räume in Richtung Nachhaltigkeit beitragen. Es formuliert einen gemeinsamen Gestaltungsauftrag für Politik, Gesellschaft und Wissenschaft.
Thomas Weith, Achim Prossek, Ulf Weddige, Annelie Gütte, Jana Zscheischler:
Mehr als smarte Technik: ein konzeptioneller Rahmen zu „Smart Countryside“, erschienen in Raumforschung und Raumordnung
Der Begriff der „Gerechtigkeit“ steht in den letzten Jahren wieder verstärkt im Mittelpunkt sowohl gesellschaftspolitischer als auch wissenschaftlicher Debatten. Insbesondere deshalb widmet sich das im Rahmen der der BMBF-Förderinitiative „Stadt-Land-plus“ realisierte Projekt ReGerecht diesem Thema aus einem raumbezogen-regionalen Blickwinkel. Da bislang eine grundlagenorientierte und zusammenführende Ausarbeitung des bisherigen Diskussionsstandes zu diesem Themenfeld fehlt, verfolgen die Autorinnen und Autoren Weith, Barthold, Doernberg, Eichenauer, Gailing, Köck und Köhler das Ziel, die bestehenden Diskussionslinien aus Geographie, Spatial Planning Studies, Recht / Gleichwertigkeit, Landnutzung, Umweltgerechtigkeit, Ökosystemleistungen, Energiegerechtigkeit und Digitalisierung aufzuarbeiten. Daran schließt die Weiterentwicklung des Begriffsverständnisses und die Ableitung von Empfehlungen für konkrete Anwendungsfälle an.
Nach einem erfolgreichen Treffen in Rendsburg Ende Februar konnte im Mai auch der lang ersehnte Auftakttermin in der zweiten Transferregion des ReGerecht-Projekts, der Region Cottbus, stattfinden. Mitwirkende des ReGerecht-Projekts kamen zunächst in der Cottbuser Stadtverwaltung mit Mitarbeitenden der Stadt Cottbus zusammen, um sich gegenseitig aktuelle Tätigkeiten, Ergebnisse und Herausforderungen vorzustellen. Der intensive Austausch wurde am Nachmittag auf einer Exkursion zu verschiedenen aktuellen Projekten der Region fortgesetzt. Dabei besuchten die Teilnehmenden insbesondere Flächen, auf denen ein Technologie- und Wissenspark eingerichtet werden soll, sowie den (zukünftigen) Cottbuser Ostsee. Die Mitwirkenden des ReGerecht-Projekts sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen und freuen sich auf die Zusammenarbeit.
Vorstellung der Planungen für einen Technologie- und Wissenspark (c) Eva Eichenauer, B-TU Cottbus-SenftenbergAm zukünftigen Ufer des Cottbuser Ostsees (c) Eva Eichenauer, B-TU Cottbus-Senftenberg
Nachdem der Termin Pandemie-bedingt zunächst verschoben werden musste war es am 28. Februar endlich so weit: Mitwirkende des ReGerecht-Projekts besuchten die Region Rendsburg, die in der mittlerweile angelaufenen zweiten Projektphase gemeinsam mit der Region Cottbus als eine von zwei Transferregionen des Projekts dient. Neben der Vorstellung verschiedener Projekte der Entwicklungsagentur der Region Rendsburg, insbesondere des Fördermittelmanagements, blieb auch Zeit zum intensiven persönlichen Austausch zwischen Mitarbeitenden des ReGerecht-Projekts und der Stadt Rendsburg. Eine Besichtigung der Innenstadt und insbesondere des neuen Gebäudes der Volkshochschule als Teil der Aktivitäten der Entwicklungsagentur Rendsburg rundeten den Tag ab. Die ReGerecht-Beteiligten freuen sich schon auf die weitere Zusammenarbeit mit der Region Rendsburg und gegenseitige Inspiration.
Mitwirkende des ReGerecht Projekts und Mitarbeitende der Region Rendsburg vor dem Büro der Entwicklungsagentur Rendsburg (c) Petra Reiber / Region Rendsburg GmbH