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Konflikte zwischen Stadt und Land? Artikel in “Land” veröffentlicht

Stadt und Land werden häufig als typische Gegenspieler in Landnutzungskonflikten dargestellt. Doch verlaufen die Konfliktlinien in Stadt-Umland-Räumen tatsächlich vor allem zwischen städtischen und ländlichen Akteuren? Dieser Frage sind Meike Fienitz und Dr. Rosemarie Siebert im Rahmen des Projekts ReGerecht vertieft nachgegangen. Die Ergebnisse der Auswertung von 124 Landnutzungskonflikten aus dem Stadt-Umland-Raum Schwerin wurden nun in einem Artikel in der Fachzeitschrift “Land” veröffentlicht, dieser kann hier kostenlos heruntergeladen werden: https://www.mdpi.com/2073-445X/10/7/726

ReGerecht Projektworkshops 9 & 10: Zwischenergebnisse, Umsetzungsplanung und Roadmapping

Die noch bis Ende August 2021 laufende erste Projektphase neigt sich dem Ende zu. Daher standen die Projektworkshops im Mai und Juni ganz im Zeichen der Planung der zweiten Projektphase, in der es um die Umsetzung bisheriger Ergebnisse sowie deren Übertragung auf zwei Transferregionen (Cottbus und Rendsburg) gehen soll. Im (nach wie vor virtuellen) Workshop am 19. Mai 2021 wurden die Zwischenergebnisse der verschiedenen Projektbausteine vorgestellt und Anknüpfungsmöglichkeiten identifiziert. Darauf aufbauend ging es am 17. Juni (ebenfalls virtuell) in die Planung der Umsetzung. Gemeinsam entwickelten die Projektpartner erste Umsetzungsschritte, die in Form einer Roadmap dargestellt werden. Ebenfalls vertreten war die Stadt Cottbus, mit der Ideen für die Transferphase konkretisiert wurden.

Transferphase des ReGerecht Projekts startet in Cottbus und Rendsburg

Nachdem sich in den vergangenen knapp drei Jahren die Tätigkeiten im ReGerecht-Projekt auf den Schweriner Stadt-Umland-Raum fokussierten, läuft ab September 2021 die zweite Projektphase an. Nun werden die in Schwerin erarbeiteten Prozesse und Ergebnisse auf weitere Regionen in Deutschland übertragen um ihre breitere Anwendbarkeit zu testen. Die Beteiligten des ReGerecht-Projekts begrüßen daher die Städte Cottbus und Rendsburg mitsamt ihrer Umlandregionen sehr herzlich als weitere Projektpartner und freuen sich auf eine produktive und erkenntnisreiche Zusammenarbeit.

Publikationen zu rechtlichen Herausforderungen und Lösungsansätzen

Ein Baustein des ReGerecht-Projekts ist die Beschäftigung mit den rechtlichen Herausforderungen einer gerechten und nachhaltigen Entwicklung in Stadt-Umland-Regionen, sowie der Entwicklung von passenden Lösungsansätzen. In zwei Publikationen wurden diese von ReGerecht-Projektpartner Prof. Dr. Wolfgang Köck nun herausgearbeitet:

Köck, Wolfgang (2020): Editorial – Rechtliche Herausforderungen und Ansätze für eine umweltgerechte und nachhaltige Stadtentwicklung, in: Zeitschrift für Umweltrecht (ZUR) 31, S. 1-2.

Köck, W. und Faßbender, K. (Hrsg.) (2020): Rechtliche Herausforderungen und Ansätze für eine umweltgerechte und nachhaltige Stadtentwicklung, Beiträge zum 24. Leipziger Umweltrechtssymposion, Baden-Baden

„Ackern for Future“: ReGerecht-Wissenschaftler*innen im Austausch mit Berliner Schüler*innen

Antworten der Schüler*innen auf die Frage, was sie mit Landwirtschaft verbinden

Welche Konflikte um Landnutzung bestehen in ländlichen Räumen? Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft, nicht nur in Brandenburg? Und welche Lösungsansätze werden aktuell diskutiert? Diese Fragen stießen in Berliner Schulen auf reges Interesse: Rund 200 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte aus 14 Berliner Schulen fanden sich am 16. März 2021 virtuell zusammen um im Rahmen einer von der GeoUnion organisierten Veranstaltung mehr zu erfahren. Unter dem Titel „Ackern for Future? Ansätze für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Landnutzung – nicht nur in Brandenburg“ führten apl. Prof. Dr. Thomas Weith und Meike Fienitz (beide ZALF) in die Themen Landnutzungswandel und Landwirtschaft ein und stellten aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze vor. Interaktive Umfragen regten die Teilnehmenden an, sich aktiv in den Vortrag einzubringen. Die anschließende Diskussion zeigte das große Interesse der Jugendlichen an Fragen zukunftsfähiger Landnutzung. Fortsetzung gewünscht.

8. Workshop ReGerecht: Herausforderung im Wechselspiel von Stadt-Land – Konflikte und Lösungsansätze

Wie lassen sich gerechte und umsetzbare Lösungen für Herausforderungen im Wechselspiel von Stadt und Land finden? Dieser Frage ging der achte Workshop im ReGerecht-Projekt nach. Am Nachmittag des 9. November 2020 trafen sich die ReGerecht-Projektpartner sowie weitere Gäste aus Praxis und Wissenschaft online, um aufbauend auf Arbeitsergebnissen aus dem ReGerecht-Projekt Handlungsoptionen und mögliche Formen zukünftiger Zusammenarbeit zwischen Stadt, Umland und Land in der Region Schwerin sowie darüber hinaus zu diskutieren. Ziel war hierbei die Skizzierung komplexer, themenübergreifender Lösungsansätze für Stadt-Umland-Räume. Inhaltliche Impulse setzten Gastvorträge von Dr. Stefanie Bock (Deutsches Institut für Urbanistik), Prof. Dr. Andreas Berkner (Regionaler Planungsverband Leipzig-Westsachsen / Projekt StadtLandNavi) sowie Frank Thomsen (Stadt Rendsburg), die Erfahrungen mit möglichen Lösungsansätzen sowie Good Practices vorstellten.

Bei der Veranstaltung dabei waren auch weitere regionale Akteure sowie Mitwirkende aus anderen Stadt-Land-plus-Projekten.

Die Ergebnisse des Workshops dienen als Grundlage für den im Projekt derzeit in Erarbeitung befindlichen 10-Punkte-Plan. Er wird frühzeitig im Jahr 2021 vorgestellt.

Policy Paper: Gute Bedingungen für lokale Wertschöpfung aus Windkraftanlagen

Foto: jan_S/stock.adobe.com

Die Beteiligung von Standortkommunen an der Wertschöpfung aus Windkraftanlagen ist ein wichtiger Schritt hin zu einer gerechten, gesellschaftsverträglichen Umsetzung der Energiewende. Ländliche Gemeinden können finanziell profitieren und die Akzeptanz unter den Anwohnenden kann gefördert werden. In dem am 23.09.2020 von der Bundesregierung beschlossenen Entwurf des EEG 2021, welches zum 01.01.2021 in Kraft treten soll, ist die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung von Standortkommunen zum ersten Mal in einer Bundesgesetzgebung verankert. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es dagegen bereits seit 2016 ein Landesgesetz, welches Anlagenbetreiber dazu verpflichtet, umliegende Gemeinden und Anwohnende an den Erträgen zu beteiligen. In unserer Forschung haben wir durch Interviews mit Gemeindevertreter*innen in Mecklenburg-Vorpommern und Vertreter*innen aus der Windenergiebranche erste praktische Erfahrungen mit dieser gesetzlichen Regelung in Mecklenburg-Vorpommern erhoben. Daraus haben wir zehn Empfehlungen abgeleitet, die ein Gesetz zur Stärkung lokaler Wertschöpfung aus Windkraftanlagen zum Erfolg führen können.

1. Bundeseinheitliche Lösung – lokale Rechtssicherheit
Eine bundeseinheitliche Lösung bietet Rechtssicherheit und bundesweit gleiche Bedingungen für Vorhabenträger. Gleichzeitig können so bundesweite Mindeststandards für lokale Wertschöpfung gesetzt werden, von denen Gemeinden im gesamten Bundesgebiet profitieren.

2. Einfache Regelungen – einfache Umsetzung
Ein Beteiligungsgesetz muss anwendungsorientiert gestaltet sein. Es sollte gut und transparent von Vorhabenträgern umgesetzt werden können und in den Standortkommunen möglichst einfach vermittelbar sein.

3. Klare Erwartungen – kurze Zeithorizonte
Um für die Lösung von lokalen Windkraftkonflikten überhaupt relevant zu sein, muss für Anwohnende und Gemeinden klar sein, was sie zu erwarten haben, z.B. durch festgelegte oder gesetzlich festgeschriebene Zahlungen. Frühzeitige, belastbare Informationen über den individuellen bzw. gemeindlichen Nutzen können helfen, den Zeitraum bis zur tatsächlichen Anwendung konstruktiv zu überbrücken.

4. Gestaltungsspielräume für Kommunen – Mindeststandards setzen
Bei aller gebotenen Einfachheit sollte ein Mindestmaß an Entscheidungsmöglichkeit für Gemeinden gewährleistet sein. Es muss gesetzlich ausgeschlossen werden, dass Kommunen „leer ausgehen“, weil sie selbst nicht investieren wollen oder können.

5. Raum für individuelle Lösungen schaffen
Eine gute Zusammenarbeit zwischen Vorhabenträgern und Gemeinden ist zu fördern. Dazu müssen Spielräume geschaffen werden, die es erlauben, Vereinbarungen zu treffen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen.

6. Beratung und Unterstützung für Kommunen
Die Energiewende stellt Kommunen vor viele Herausforderungen. Sie bietet aber gleichzeitig auch große Chancen. Eine als neutral angesehene Beratung, die Gemeinden in Bezug auf die Umsetzung gesetzlicher Regelungen berät und Entscheidungsprozesse begleitet, ist wichtig.

7. Kommunale Netzwerke stärken
Kommunen müssen sich austauschen können. In „peer-to-peer“-Beratungen können Gemeinden gegenseitig ihre Erfahrungen mit lokalen Energiewendeprojekten austauschen, Hilfe suchen oder auch anbieten. Durch Kommunikation mit „Gleichgesinnten“ werden Probleme und Unsicherheiten oft schneller behoben. Das Lernen von Vorbildkommunen, in denen man die lokale Wertschöpfung aus der Energiewende bereits erfolgreich gesteigert hat, kann so gelingen.

8. Energieagenturen auf regionaler oder Landesebene
Die Beratung und Unterstützung von Kommunen, der Aufbau und die Pflege von kommunalen Netzwerken und weitere unterstützende Angebote benötigen Ressourcen. Egal ob bei einer Landesenergieagentur, bei einem regionalen Energiemanagement oder einer anderen zuständigen Behörde für Regionalplanung: Dazu müssen Verantwortlichkeiten geschaffen und die entsprechenden Organisationen mit personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet werden.

9. Vielfalt berücksichtigen und strukturelle Benachteiligungen abbauen
Bestehende strukturelle Benachteiligungen einzelner Gemeinden (z.B. durch mangelnden Flächenbesitz, schlechte Finanzausstattung oder kleine Verwaltungen) im Hinblick auf mangelnde Gestaltungsmöglichkeiten dürfen nicht verfestigt werden. Wer lokale Wertschöpfung erhöhen will, muss daher Kommunen zielgenau befähigen, ihre spezifischen Interessen in den Prozess einbringen zu können („Empowerment“).

10. Räumliche Gerechtigkeit in der Energiewende fördern
Eine räumliche Gleichverteilung von Windkraftanlagen ist weder erstrebenswert noch umsetzbar. Räumliche Gerechtigkeit in der Energiewende sollte vielmehr durch einheitliche Rahmenbedingungen erreicht werden, die dafür Sorge tragen, dass Verfahrens- und finanzielle Verteilungsgerechtigkeit sowie gerechte Lastenausgleiche gewährleistet sind. Die gesetzliche Verankerung der Stärkung lokaler Wertschöpfung und die Schaffung guter Rahmenbedingungen für Gemeinden können dazu wichtige Schritte sei.

Das vollständige Policy Paper kann hier abgerufen werden: https://leibniz-irs.de/en/knowledge-transfer/transfer-publications/irs-dialog/gute-bedingungen-fuer-lokale-wertschoepfung-aus-windkraftanlagen

Buchneuerscheinung: Sustainable Land Management in a European Context – a Co-Design Approach

Wie kann Landnutzung nachhaltiger gestaltet werden? Und welche Entwicklungsprozesse braucht es, um zunehmende Konflikte und Konkurrenzen einer Lösung zuzuführen? Auf diese Fragen geht der neue Band „Sustainable Land Management in a European Context – a Co-Design Approach“ ein. Er wird herausgegeben von den aktuellen wie früheren ZALF Mitarbeiter*innen Thomas Weith, Tim Barkmann, Nadin Gaasch, Sebastian Rogga, Christian Strauß und Jana Zscheischler.

Auf über 350 Seiten werden innovative Lösungsansätze für das Landmanagement im europäischen Kontext vorgestellt und diskutiert. Das Buch betont und beleuchtet Mitgestaltungsprozesse im Rahmen der “Co-Design-Ansatzes”, der die Zusammenarbeit in transdisziplinären Forschungsprozessen zwischen Wissenschaft und anderen Akteuren reflektiert.

Das Buch liefert einem Überblick über den aktuellen Stand verschiedener Landnutzungspraktiken und die daraus resultierende Notwendigkeit, die Landressourcen nachhaltiger zu bewirtschaften. Neue Systemlösungen und Governance-Ansätze im nachhaltigen Landmanagement werden aus einer europäischen Perspektive vorgestellt. Neue Ansätze für ein nachhaltiges Landmanagement ergeben sich aus der Co-Design von Veränderungsprozessen und der Entwicklung neuer Wissensbestände durch Co-Kreationsprozesse.

Für eine breite Leserschaft aus den Landsystem- und Umweltwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geowissenschaften bieten sich hier neue Erkenntnisse und Erfahrungen zum nachhaltigen Umgang mit Land.

https://www.springer.com/in/book/9783030508401