ReGerecht: Regionale Gerechtigkeit – Integrative Entwicklung eines gerechten Interessensausgleichs zwischen Stadt, städtischem Umland und ländlichem Raum
Konflikte um die Nutzung von Land können sehr unterschiedlich verlaufen: Manchmal gelingt es den beteiligten Akteuren einen konstruktiven Umgang mit ihren Interessengegensätzen zu finden, doch manchmal versagt die Zusammenarbeit und die Konflikte eskalieren. Nachdem in einer früheren Publikation bereits Bedingungen identifiziert wurden, die diese unterschiedlichen Verläufe auslösen (siehe hier) hat Meike Fienitz (ZALF) darauf aufbauend im Kontext des ReGerecht-Projekts untersucht, über welche Mechanismen diese Bedingungen wirksam werden und somit zur Konflikteskalation führen. Die Ergebnisse der Forschung sind nun im Journal People & Nature erschienen:
Meike Fienitz (2025): How do land use conflicts escalate? Identifying causal mechanisms in a conflict over a biogas plant in Brandenburg, Germany. Abrufbar hier.
Eine Zusammenfassung in einfacher Sprache (auf Englisch) kann zudem hier abgerufen werden.
Nachdem es im August 2023 im ReGerecht-Projekt schon einmal „Time to say goodbye“ hieß, kommt nun auch die Verlängerungsphase des Projekts zu ihrem Ende. In dieser Zeit vertieften und erweiterten vier Projektpartner ihre bisherigen Tätigkeiten und Ergebnisse. Die Abschlussveranstaltung, die am 24. April 2025 virtuell per Videokonferenz stattfand, bot eine Plattform, um die erreichten Fortschritte zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren.
Die Projektpartner – Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V., ILS Research gGmbH, Center for Open Digital Innovation and Participation der Technischen Universität Dresden sowie Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg – stellten in ihren Vorträgen die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten des letzten Jahres vor. Neben den aktuellen Partnern waren auch ehemalige Projektbeteiligte anwesend, die wertvolle Einblicke und Perspektiven insbesondere aus der Praxis beisteuerten. Dabei wurde nicht nur auf das abgeschlossene Projekt zurückgeblickt, sondern der Blick auch in die Zukunft gerichtet, um weitere Forschungs- und Umsetzungsbedarfe zu diskutieren. Wir danken allen Beteiligten für ihre wertvollen Beiträge und ihren Einsatz in fast sieben Jahren ReGerecht!
Unter Beteiligung des ReGerecht-Projekts ist die neueste Ausgabe der Politischen Ökologie mit dem Titel „Feldversuche – Wege zu nachhaltiger Landnutzung“ erschienen. Diese Ausgabe entstand aus der gemeinsamen Arbeit eines Netzwerks junger Wissenschaftler*innen, die sich aus unterschiedlichen Disziplinen mit nachhaltiger Landnutzung auseinandersetzen. Der Impuls, ein Transferprodukt zu entwickeln, das Forschungsergebnisse auf Deutsch und für die breite Öffentlichkeit vorstellt, entstand auf der VÖW Sommerakademie 2023.
Neben Dr. Katrin Martens (Humboldt-Universität zu Berlin), Ineke Joormann (Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen), Christoph Schulze (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) und Dr. Sabine Neuberger (Austrian Institute of Technology) war auch Dr. Meike Fienitz (ReGerecht, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) Mit-Herausgeberin des Themenhefts. Zentrale Ergebnisse ihrer Arbeiten aus dem ReGerecht-Projekt stellt sie zudem in ihrem Beitrag „Umgang mit Landnutzungskonflikten: Respekt und Rahmen müssen stimmen“ vor.
Dank der Unterstützung der VÖW (Vereinigung für Ökologische Wirtschaftsforschung) und in Zusammenarbeit mit der Redaktion der Zeitschrift Politische Ökologie konnte insgesamt ein spannendes Heft realisiert werden, das praxisnahe Perspektiven, wissenschaftliche Erkenntnisse und zukunftsweisende Lösungsansätze vereint.
Am 5. Dezember 2024 hat Meike Fienitz ihre Doktorarbeit zu Landnutzungskonflikten erfolgreich verteidigt.
Wie kann ein geeigneter Umgang mit landnutzungsbezogenen Konflikten aussehen? Diese Frage war nicht nur im ReGerecht-Projekt zentral, sondern wurde auch vertieft in einer aus dem Projekt heraus entstandenen Doktorarbeit untersucht. Ihre Arbeit mit dem Titel „Navigating disparate demands: An empirical study of land use conflicts in urban-rural fringe regions in northeast Germany“ hat Meike Fienitz (ZALF, Projekt ReGerecht) am 5. Dezember 2024 erfolgreich an der Humboldt-Universität zu Berlin verteidigt.
Die Arbeit hatte zum Ziel durch eine umfassende Analyse der Eigenschaften und Verläufe von Landnutzungskonflikten neue Erkenntnisse zu generieren, wie mit solchen Konflikten in Politik, Planung und Landmanagement angemessen umgegangen werden kann. Ein systematischer Literatur-Review erarbeitete zunächst einen umfassenden Überblick über die bestehende Literatur, verschiedene konzeptionelle Ansätze sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte und –lücken. Eine Situationsanalyse erstellte dann einen Überblick über die empirische Situation in der Untersuchungsregion (Schweriner Umlandraum), identifizierte dort 124 verschiedene Landnutzungskonflikte und untersuchte deren Eigenschaften. Im letzten Schritt wurden die Ursachen von unterschiedlichen Verläufen von Landnutzungskonflikten untersucht und so erarbeitet, wann Landnutzungskonflikte kollaborativ verlaufen, es also zu Aushandlungsprozessen zwischen den Konfliktparteien kommt, und wann solche Konflikte hingegen eskalieren oder auch latent, also unadressiert, bleiben.
Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass Landnutzungskonflikte komplexe, multidimensionale Phänomene sind, die in gängigen Narrativen nicht falsch, aber unvollständig dargestellt werden und dass solche Konflikte für lokale Akteure eine erhebliche Belastung darstellen, was die Relevanz der Beschäftigung mit ihnen nochmals unterstreicht. Zudem konnte erklärt werden, unter welchen Bedingungen Landnutzungskonflikte latent, kollaborativ oder eskalierend verlaufen. Die Dissertation leistet einen Beitrag zu einem besseren Umgang mit Landnutzungskonflikten, indem sie einerseits aufzeigt, welche (Arten von) Konflikte(n) in der Praxis auftreten und somit adressiert werden müssen, und andererseits Ansätze benennt, wie Bedingungen geschaffen werden können, die kollaborative Konfliktverläufe fördern.
Die Arbeit wurde von Dr. Rosemarie Siebert (ZALF, Projekt ReGerecht) und Prof. Dr. Klaus Müller (ZALF / Humboldt-Universität zu Berlin) co-betreut. Die bereits publizierten Fachaufsätze der Dissertation können hier abgerufen werden:
Fienitz, Meike (2023). Taking Stock of Land Use Conflict Research: A Systematic Map with Special Focus on Conceptual Approaches. Society & Natural Resources, 36:6, 715-732. https://doi.org/10.1080/08941920.2023.2199380
Fienitz, Meike; Siebert, Rosemarie (2022). “It Is a Total Drama”: Land Use Conflicts in Local Land Use Actors’ Experience. Land 11:5, 602. https://doi.org/10.3390/land11050602
Fienitz, Meike; Siebert, Rosemarie (2021). Urban versus Rural? Conflict Lines in Land Use Disputes in the Urban–Rural Fringe Region of Schwerin, Germany. Land 10:7, 726. https://doi.org/10.3390/land10070726
Fienitz, Meike; Siebert, Rosemarie (2023). Latent, collaborative, or escalated conflict? Determining causal pathways for land use conflicts. Land Use Policy 134, 106918. https://doi.org/10.1016/j.landusepol.2023.106918
Was bedeutet Gerechtigkeit zwischen Stadt und Land? Wie kann ein regionaler Ausgleich realisiert werden? Diesen Fragen geht die siebte und letzte Folge des Stadt-Land-Plus-Podcasts nach. Die aktive Gestaltung von Verflechtungen von Stadt und Land ist eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Stadt- und Raumentwicklung und kann die Zukunftsfähigkeit von Regionen wesentlich unterstützen. Projektleiter Prof. Dr. Thomas Weith (ILS) berichtet im Podcast anschaulich aus dem ReGerecht-Projekt, was raumbezogene Gerechtigkeitsformen sein können und welche Umsetzungsmöglichkeiten es gibt.
Ernährung, Wohnen, Arbeiten, Freizeit: Der Stadt-Land-Plus-Podcast zeigt in sieben Folgen verschiedene Projekte in Deutschland, in denen sich Stadt und Land in verschiedenen Lebensbereichen gegenseitig ergänzen und unterstützen. Charlotte Oeken und Moritz von Schurer haben mit über 30 Personen Interviews geführt, die alle mit Stadt-Land-Plus Projekten verbunden sind. Stadt-Land-plus ist eine Förderlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Deutschland.
Weitere Informationen zum Podcast sowie wie alle erschienenen Folgen finden Sie hier.
Mit einem eigenen Beitrag zu Stadt-Land-Gerechtigkeit war das Projekt ReGerecht auf der Konferenz „Aus Stadt und Land wird plus. Innovative Wege für nachhaltige Stadt-Land-Beziehungen“ vertreten. Auf der Abschlusskonferenz der Fördermaßnahme Stadt Land plus des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 5. und 6. November 2024 in Berlin wurden zentrale Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt vorgestellt. Insgesamt präsentierten und diskutierten rund 200 Teilnehmende aus Wissenschaft und Praxis in diesem Zusammenhang neue Möglichkeiten der regionalen Zusammenarbeit, der Förderung flächensparender Raumentwicklung und des interkommunalen Interessensausgleichs. „Wir freuen uns, hier einen wichtigen Beitrag zum Thema Gleichwertigkeit und raumbezogener Gerechtigkeit liefern zu können“, so der Leiter des ReGerecht-Projektes Prof. Dr. Thomas Weith (ILS). Die Ergebnisse der Tagung werden auf der Homepage der Fördermaßnahme dokumentiert.
Nachdem sich die ReGerecht-Projektpartner bei der Abschlussveranstaltung im vergangenen August noch etwas wehmütig voneinander verabschiedet hatten, gab es für einige von ihnen im Januar bereits ein unverhofftes Wiedersehen: Das Projekt ReGerecht geht in die Verlängerung. Mit dabei sind neben dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), das weiterhin die Projektleitung innehat, auch nach wie vor das Center for Open Digital Innovation and Participation (CODIP) der Technischen Universität Dresden sowie die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Neu hinzu kommt als Kooperationspartner die ILS Research gGmbH.
Innerhalb von einem zusätzlichen Projektjahr sollen bis Ende 2024 die bisherigen Projektergebnisse in vier Arbeitspaketen – Empirische Gerechtigkeitsforschung, Landnutzungskonflikte, Energiegerechtigkeit, sowie Digitale Partizipation – vertieft und erweitert werden. Am 16.01.2024 fand dafür das virtuelle Auftakttreffen statt, bei dem sich die Projektpartner über ihre geplanten Tätigkeiten austauschten und über das weitere Vorgehen verständigten. Und so heißt es nun: ReGerecht – weiter geht’s!
Lange wurde einer spezifisch räumlichen Sicht auf Gerechtigkeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In den vergangenen Jahren erfuhr der Begriff der „Gerechtigkeit“ eine Renaissance in raumbezogener Politik und der gesellschaftlichen Debatte. Beispiele hierfür sind etwa der Ruf nach „Climate Justice“ innerhalb der „Fridays for Future“-Bewegung oder die Diskussionen um gleichwertige Lebensverhältnisse.
Das Special Issue „Räume für Gerechtigkeit“ der Zeitschrift „Berichte. Geographie und Landeskunde“ blickt nun mit unterschiedlichen raumwissenschaftlichen Perspektiven auf das Thema Gerechtigkeit. Das Themenheft wurde von Prof. Dr. rer. pol. Ludger Gailing (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU)) und dem ILS-Wissenschaftler und ZALF-Gastwissenschaftler apl. Prof. Dr.-Ing. Thomas Weith verantwortet.
Das Themenheft will neue Perspektiven für das Verständnis, die Ausgestaltung und die Weiterentwicklung raumbezogener Gerechtigkeitsvorstellungen liefern. Die Beiträge zeigen wie umfangreich und vielgestaltig die Diskussion um z.B. Verteilungsgerechtigkeit und Tauschgerechtigkeit sein können.
Das Themenheft ist ein zentrales Ergebnis des Forschungsvorhabens „ReGerecht“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßname „Stadt-Land-Plus“ der Leitinitiative Zukunftsstadt gefördert wurde.
Das Heft sowie die einzelnen Beiträge sind jetzt hier abrufbar (kostenpflichtig).
„Berichte“ wird von der Deutschen Akademie für Landeskunde (DAL) und dem Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) herausgegeben. Die Zeitschrift bietet eine Plattform für wissenschaftliche Beiträge im Themenfeld der Geographien des Regionalen, Geographien der Verräumlichung sowie der wissenschaftlichen Landeskunde und präsentiert den State of the Art einer modernen Regionalwissenschaft.
Der Projektauftakt im September 2018 schien noch gar nicht lange her, doch am 28. August 2023 war es schon so weit: Nach fünf intensiven Jahren der Zusammenarbeit kamen die ReGerecht-Projektpartner mit weiteren Gästen aus dem Projektumfeld im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus für die Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts zusammen. Gemeinsam wurden die Arbeiten der vergangenen Jahre reflektiert und zentrale Ergebnisse des Projekts in den Themenfeldern Räumliche Gerechtigkeit (apl.-Prof. Dr. Thomas Weith, ILS/ZALF), Gerechtigkeitsfragen in der Energiewende (Eva Eichenauer und Prof. Dr. Ludger Gailing, BTU), Digitalisierung (Sabine Barthold, TUDD), Landnutzungskonflikte (Meike Fienitz und Dr. Rosemarie Siebert, ZALF), Regionale Kooperation (Annelie Gütte, ZALF und Julia Quade, LGMV) und Stadt-Umland-Räume in rechtlicher Perspektive (Prof. Wolfgang Köck, UFZ) vorgestellt. Ellen Wahls (AfRL) berichtete zudem von der Verstetigung des durch ReGerecht begleiteten Prozesses zur Stadt-Umland-Raum-Kooperation in der Region um Schwerin, Andreas Thiele (Stadt Schwerin) rundete die Vortragsreihe mit einem Ausblick zur Zukunft von Kooperationen in Stadt-Umland-Räumen ab. Die Veranstaltung konnte zugleich dazu genutzt werden, noch einmal die Wirkungen des Projekts zu reflektieren. Dafür wurden die Ergebnisse der im Vorfeld durchgeführten Wirkungsanalyse präsentiert und diskutiert.
Besonderes Highlight war die Dokumentation der Veranstaltung durch ein Graphic Recording, erstellt durch die mit dem Projekt kooperierende T-Systems Multimedia Solutions GmbH. Die entstandene illustrative Darstellung der Projektergebnisse wurde von den Anwesenden als wertvolles Tool wahrgenommen, um die Projektergebnisse auch über das Projektende hinaus zu kommunizieren.
Auch wenn es für manche der Projektpartner noch ein paar Monate weiter geht, hieß es am Ende des Tages: „Time to say goodbye“, denn die Veranstaltung stellte das letzte Treffen des gesamten Verbunds dar. Zwischen Verabschiedungen und besten Wünschen für die Zukunft kam dabei auch die Frage nach zukünftiger Zusammenarbeit auf. Fazit: Gerne wieder!
Das Graphic Recording der Projektergebnisse, das bei der Abschlussveranstaltung erstellt wurde
Konflikte um Landnutzung können sehr unterschiedlich verlaufen. Manchmal gelingt es den beteiligten Akteuren gemeinsam an einer Lösung für ihre gegensätzlichen Interessen zu arbeiten. Andere Konflikte eskalieren, die Beteiligten arbeiten gegeneinander um ihre eigenen Positionen durchzusetzen, es kommt zu Protesten und Gerichtsverhandlungen. Wieder andere Konflikte bleiben latent, werden also gar nicht thematisiert. Doch was erklärt diese unterschiedlichen Verläufe? Und wie können Planung und Beteiligte kollaborative Konfliktverläufe fördern? Diesen Fragen gehen Meike Fienitz und Dr. Rosemarie Siebert (beide ZALF) in ihrem neu erschienenen Fachaufsatz „Latent, collaborative, or escalated conflict? Determining causal pathways for land use conflicts“ nach. Die Datei kann hier abgerufen werden: https://doi.org/10.1016/j.landusepol.2023.106918
Graphical Abstract zum Artikel „Latent, collaborative, or escalated conflict?“ (c) Meike Fienitz