ReGerecht: Regionale Gerechtigkeit – Integrative Entwicklung eines gerechten Interessensausgleichs zwischen Stadt, städtischem Umland und ländlichem Raum
Landnutzungskonflikte sind allgegenwertig. Doch wie nehmen Akteure vor Ort diese Konflikte wahr? Welche Konflikte sind ihnen bekannt? Und werden diese Konflikte als Belastung erlebt, oder gelingt es den Akteuren, einen konstruktiven Umgang mit ihnen zu finden? Ergebnisse dazu sind nun in einem Fachartikel erschienen, der hier abgerufen werden kann: https://www.mdpi.com/2073-445X/11/5/602
Im Artikel „Konflikte als Chance: Für einen differenzierteren Umgang mit Landnutzungskonflikten“ erläutert Meike Fienitz (ZALF), welche Bedeutung Landnutzungskonflikte für nachhaltige Landnutzung haben, stellt erste Ergebnisse aus dem ReGerecht-Projekt vor und legt Lösungsansätze dar. Der Artikel ist in der Fachzeitschrift „Ökologisches Wirtschaften“ erschienen und kann hier abgerufen werden.
Forderungen nach einer gerechten räumlichen Entwicklung lassen sich in einer Vielzahl politischer Dokumente finden. Doch was kann darunter überhaupt verstanden werden? Geht es nur um die Verteilung von Mitteln, oder auch um Anerkennung, Entwicklung auf Augenhöhe oder gleiche Chancen? Wie steht es um den intergenerationellen Ausgleich? Der hochkarätig besetzte Workshop „Clusterworkshop „Raumgerechtigkeit als Maßstab der Raumentwicklung?“ thematisierte am 3. Dezember 2021 diese Fragen mit einem explizit räumlich-regionalen Fokus. Dabei wurden unterschiedliche Perspektiven aus der Politischen Philosophie, der Stadt- und Raumplanung, der Humangeographie, der Umweltforschung und des Umweltrechts beleuchtet.
Dabei waren als Referierende u.a. Prof. Dr. Höffe, Prof. Dr. Davy, Prof. Dr. Redepenning, Prof. Dr. Baumgart, Prof. Dr. Hornbach, Prof. Dr. Bauriedl und Prof. Dr. Miosga. Der Workshop wurde online durchgeführt vom Stadt-Land-plus – Querschnittsprojekt, vertreten durch Frau Katrin Fahrenkrug (Raum & Energie). Wesentlich organisiert wurde er vom BMBF-geförderten Projekt ReGerecht, unterstützt durch die Projekte NaTourHuKi, SUSTIL und VorAb-
„Die Veranstaltung hat gezeigt, wie vielfältig die Sichtweisen auf das Thema sind – und dass wir dringend mehr Austausch dazu brauchen“, so apl. Prof. Dr. Thomas Weith vom mitorganisierenden BMBF-geförderten ReGerecht-Projekt. Denn darin waren sich alle einig: die Diskussion muss weitergehen.
Der Brandenburgische Forschungsstaatssekretär Tobias Dünow informierte sich am 5. November 2021 im Rahmen eines Arbeitsbesuches über die zahlreichen Forschungsinnovationen des ZALF (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) in Müncheberg. Dabei wurden von apl.-Prof. Dr. Thomas Weith auch Ergebnisse aus dem ReGerecht-Projekt vorgestellt. Staatssekretär Tobias Dünow würdigte die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ZALF beim gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen und ressourceneffizienten Agrarwirtschaft.
Ein Team um Professor Thomas Weith am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. wurde am 10. November 2021 für die Publikation „Sustainable Land Management in a European Context“ mit dem Gerd-Albers-Award (Kategorie Special Mention) ausgezeichnet. Dieser wird von der International Society of City and Regional Planners (ISOCARP) vergeben.
Professor Thomas Weith, Leiter der Arbeitsgruppe „Co-Design von Wandel und Innovation (InnoChange)“ am ZALF und Hauptautor, nahm den Preis am 10. November während der jährlichen ISOCARP-Konferenz in Doha, Katar entgegen. „Mein Team und ich, wir freuen uns alle über die internationale Resonanz und Anerkennung. Allen Mitwirkenden, vor allem auch dem Team mit Dr. Jana Zscheischler, Sebastian Rogga, Nadin Gaasch, Tim Barkmann und Christian Strauß herzlichen Dank“, so Weith nach der Verleihung.
Nachhaltige Landnutzung gemeinsam mit allen Akteuren entwickeln
In der prämierten Veröffentlichung diskutieren die Autorinnen und Autoren innovative Lösungsansätze für ein nachhaltiges Landmanagement in Europa. Von besonderer Bedeutung sind dabei sogenannte Co-Design-Prozesse. Wissenschaft und Praxis arbeiten bei diesem Ansatz von Beginn an zusammen an der Lösung von Problemen. Das Buch führt die unter dieser Perspektive entstandenen Ansätze zusammen. Es ist als Open-Access-Publikation frei zugänglich.
Am ZALF entwickelt die Arbeitsgruppe „InnoChange“ integrative Analysekonzepte für Wandlungs- und Innovationsprozesse in Agrarlandschaften. In ihrer Forschungsarbeit richtet die AG ihren Blick auf die Akteure der Agrarlandschaften mit ihren Werten, Normen, Interessen und Wissensbeständen sowie deren Handeln im Kontext von Transformations-, Wandlungs- und Innovationsprozessen.
Der Gerd Albers Award wird jährlich von der International Society of City and Regional Planners (ISOCARP) für die besten Publikationen auf dem Gebiet der Stadt- und Regionalentwicklung vergeben. Einer der Gründer von ISOCARP war der deutsche Architekt, Stadt- und Regionalplaner Gerd Albers.
ReGerecht-Mitwirkende Eva Eichenauer (BTU Cottbus) gibt in einer Podcastfolge ein Interview zum Thema Konflikte um Windenergie und berichtet von ihren Erkenntnissen aus dem ReGerecht-Projekt. Die komplette Folge zum Nachhören ist hier abrufbar:
Welche Forschung brauchen wir, um transformative Prozesse besser verstehen und gestalten zu können? Und welche Rolle spielen dabei transdisziplinäre Ansätze? Das waren die zentralen Fragen der DIALOG-Veranstaltung Transdisziplinäre Forschung – der Goldstandard für das wissenschaftliche Arbeiten zu Transition und Transformation? auf der IÖR-Jahrestagung 2021. Am Donnerstag, den 23.09.2021 diskutierten dazu Prof. Dr. Stefan Siedentop (Wissenschaftlicher Direktor des ILS Dortmund), Dr. Jana Bovet (Referatsleiterin im Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft) und Karl Schmude (Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg), moderiert durch apl. Prof. Dr. Thomas Weith (ZALF). Durch ihn wurde einführend auch das aktuelle Wissen zum Thema skizziert und die Diskussion in die Runde aller rund vierzig Teilnehmenden geöffnet. Deutlich wurde, dass transdisziplinäre Ansätze vielfältige Vorteile mit Blick auf die gemeinsame Entwicklung von Wissensbeständen (vom Problem bis zur Umsetzung) besitzen. Zugleich wurde deutlich, dass gerade in Politik und Verwaltung vielfältige andere Anforderungen an nutzbare Wissensbestände bestehen. Ein spannender Dialog, der fortgesetzt werden sollte.
Die BürgermeisterInnen der Umlandgemeinden und der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin – Copyright AfRL WM
Nicht nur Einfamilienhäuser für Familien, sondern die Schaffung von Wohnraumangeboten auch für ältere Menschen – darauf einigten sich die Vertreter der Landeshauptstadt Schwerin und ihrer 14 Umlandgemeinden nach circa einem Jahr intensiver Gespräche unter Moderation des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg und mit Unterstützung des Stadt-Land-plus Projektes ReGerecht. Am 19. August unterzeichneten Schwerins Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier und die Bürgermeister der Umlandgemeinden das „Teilkonzept Wohnbauentwicklung bis 2030“ zum Stadt-Umland-Rahmenplan in Seehof.
Das Wohnbauentwicklungskonzept gibt die verbindliche Marschrichtung zur Schaffung neuen Wohnraums für die kommenden zehn Jahre vor. „Die Landeshauptstadt Schwerin profitiert von einem starken und attraktiven Umland, die Umlandgemeinden profitieren von einer starken und attraktiven Landeshauptstadt.“ Die Stadtvertretung der Landeshauptstadt hat deshalb dem „Teilkonzept Wohnbauentwicklung im Stadt-Umland-Raum Schwerin zugestimmt, in dem wir eine ausgewogene Balance gefunden haben, die zwischen den Entwicklungswünschen der Umlandgemeinden und den Zielen nachhaltiger Siedlungsentwicklung, die die Entwicklung in den Städten des Landes Mecklenburg-Vorpommerns konzentrieren, vermittelt.“, so Oberbürgermeister Rico Badenschier anlässlich der Vertragsunterzeichnung.
„Die Einigung zur Wohnbauentwicklung kann Vorbild für die Zusammenarbeit in weiteren Handlungsfeldern sein“, so Karl Schmude, Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg. So sind sich die BürgermeisterInnen einig, dass sie auch andere Themen wie z. B. den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gemeinsam anpacken müssen. Das Projekt ReGerecht freut sich über diesen Erfolg und unterstützt die weitere regionale Zusammenarbeit in der Region Schwerin.
Stadt und Land werden häufig als typische Gegenspieler in Landnutzungskonflikten dargestellt. Doch verlaufen die Konfliktlinien in Stadt-Umland-Räumen tatsächlich vor allem zwischen städtischen und ländlichen Akteuren? Dieser Frage sind Meike Fienitz und Dr. Rosemarie Siebert im Rahmen des Projekts ReGerecht vertieft nachgegangen. Die Ergebnisse der Auswertung von 124 Landnutzungskonflikten aus dem Stadt-Umland-Raum Schwerin wurden nun in einem Artikel in der Fachzeitschrift „Land“ veröffentlicht, dieser kann hier kostenlos heruntergeladen werden: https://www.mdpi.com/2073-445X/10/7/726